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< Zurück zur ÜbersichtKünstliche Intelligenz (KI)
94 interessierte Gäste begrüßten Dr. R. Schneider von der Uni Greifswald, an der er u.a. als Professor für Computational Science arbeitet. Er stellte sich unserer Bitte, über den gegenwärtigen Stand der KI zu informieren. Dabei stützte er sich auf 15 sehr gut und verständlich gestaltete Folien. Zunächst ganz einfach gesagt: KI ist der Versuch des Menschen, sein Gehirn nachzubauen. D.h., in der ca. 1,3 kg schweren Hirnmasse befinden sich etwa 86 Mrd. Nervenzellen, die über Synapsen miteinander verbunden sind, über chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) kommunizieren, und die so entstehenden Signale werden elektrisch weitergegeben. Wir nehmen durch unsere Sinne hunderttausende Informationen auf, die gefiltert werden müssen, um dann die jeweils notwendige, für den gegebenen Fall erlernte Handlung nach entsprechender Entscheidung zu vollziehen. KI ihrerseits ist also die Fähigkeit einer Maschine, kognitive Fähigkeiten des Menschen zu imitieren. Wir „füttern“ die Maschine mit Unmengen von jeweils systematisierten Daten. So begegnet uns KI in unserem Alltag z.B. bei der Nutzung von Suchmaschinen, in der Medizin, beim Online Shopping, in der Autoindustrie (autonomes Fahren) und in den sozialen Netzwerken. Momentan können wir sagen: 80% der KI-Ergebnisse sind wahr, 20% fehlerhaft. Ein praktisches Beispiel ist u.a. auch die seit 2020 mögliche Nutzung von GPT-3, wo Texte thematisch passend und mit menschlichen Formulierungen geschrieben werden, die aber nicht unbedingt nützlich für den Anwender sein können. Der bisherige Stand: KI ist nicht intelligent, ist nur hochdimensionale Statistik, KI-Systeme extrahieren Informationen aus sehr großen Datenmengen, die Datenqualität bestimmt die Qualität des KI-Systems, und dieses lernt sehr komplexe Zusammenhänge, die auch für die Systementwickler nicht mehr nachvollziehbar sein können. Daten sind das neue Erdöl der heutigen Zeit. Die Datengrundlage entscheidet alles, fehlerhafte Entscheidungen sind möglich. KI kann Verlust an menschlichem Kontakt und Interaktion bewirken. Die Technologie ist anfällig für Ausfälle und Störungen. Die Programmierer haben einen großen Einfluss, z.B. beim autonomen Fahren: Konfliktsituation auf der Straße, Unfallgefahr: 3 Personen (Kind. 40-Jähriger, Opa) und ein Baum. Die KI kann hier nur eine vom Programmierer eingegebene Entscheidung treffen: Wer soll geschützt werden: Welche der drei Personen oder das Auto? Hier entsteht die Frage: Wie ist eine ethische Einordnung von Entscheidungen algorithmisch machbar? International gesehen sind die USA, China und Indien auf diesem Gebiet führend, Europa hat einen großen Nachholebedarf. Gibt es eine Bedrohung durch die KI? Schon 1949 sprach Heidegger von der künstlichen Superintelligenz, von einer Machtübernahme der Maschinen über die Menschen. Davon sind wir noch weit weg. Passen KI und Demokratie zusammen? Gefahr besteht durch eine einseitige Datenlage oder Daten- und Informationsmanipulation (Fake News). Nach wie vor gilt: Der informierte Bürger ist wichtiger denn je. Wir brauchen den systemischen Zweifel und die kritische Urteilsfähigkeit. Der Referent beantwortete eine Reihe von Fragen des Publikums, das ihm mit herzlichem Beifall dankte. Wolfgang Mengel, Seniorenakademie
Wolfgang Mengel, Stralsund, 26.03.2025