Mecklenburger Blitz
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Leserbriefe
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wahlkampfrituale
Schade um die Millionen. Der Stimmzettel bringt keine Änderung der chaotischen Zustände, weil Politik zum Selbstzweck, zum schmierigen Geschäft geworden ist. Weil die Gewählten in den warmen Sesseln, die für viele einige Nummern zu groß sind, sehr schnell ihre Eide und Wahlversprechen vergessen. Weil sie zu dienen mit verdienen verwechseln. Weil sie nach der Wahl zu Lakeien ihrer Millionenspender mutieren, werden sie keine Probleme lösen, denn sie leben in den Parlamenten nicht schlecht davon, dass sie nicht gelöst werden. Sie sind am Ende mit ihrem Latein, sie wollen es nur nicht eingestehen. Drei Millionen Arbeitslose, Firmenpleiten und Abwanderung sprechen eine deutliche Sprache. Auch nach dieser Wahl werden sie uns mit immer neuen finanziellen Raubzügen ausplündern, unsere Kaufkraft schmälern, unsere Lebenshaltung immer mehr verteuern, immer mehr fleißige Menschen in die Verarmung schicken. Ob 19 oder 190 Parteien zur Wahl antreten spielt dabei überhaupt keine Rolle. Die Parteien kennen das Volk nicht mehr, auch wenn sie im Wahlkampf im Schafspelz und mit Jacobinermütze mit ewig sich wiederholenden Phrasen wieder das Blaue vom Himmel versprechen, bleiben sie doch die gehorsamen Büttel des raubgierigen Kapitals. Erheben aber den Anspruch, Volksparteien zu sein, um den Wähler schamlos zu täuschen und gegen seine eigenen Interessen zu manipulieren. Dadurch sind sie die Nutznießer unserer immer mehr um sich greifenden Verarmung. Sie pfuschen an den Symptomen herum, ohne das Übel an der Wurzel anzupacken und zu beseitigen. Denn das, was viele der Gewählten Politik nennen, sind nur noch Futterkrippenkämpfe um das größere Stück Kuchen.mehr... -
reform-schoen-und-gut
Dass eine Gesundheitsreform nötig ist, ist ja einsehbar, aber die wirklichen Probleme löst sie nicht. Es stellt sich doch die Frage, warum unser Gesundheitswesen so teuer und ineffektiv ist. Neben vielen Dingen, wie aufgeblähter Krankenkassenapparat, unnötigen Kassenleistungen, mehrfache Untersuchungen in den Kliniken u.a., sind es doch vor allem die hohen Preise für Medikamente, die die Pharmaindustrie verlangen und auch genehmigt bekommen. An dieser Schraube mag aber die Regierung nicht drehen. Sie lässt sich mit der Drohung erpressen, dass man nicht mehr forschen könne oder ins Ausland gehe, wenn sie den gewollten Gewinn nicht bekomme. Diese, von der Regierung unterstützte Narrenfreiheit der Konzerne führt zunehmend dazu, dass immer mehr Medikamente vom Markt verschwinden, die die Kranken brauchen, aber der Pharmaindustrie nicht mehr genug Gewinn bringen. Es ist eben profitabler, teure Abnehmspritzen zu produzieren, als notwendige Herzmittel. Hier müsste eine echte Reform einsetzen, damit Gesundheit für alle bezahlbar und möglich ist. Das würde aber den Willen der Politik voraussetzen, sich mit der mächtigen Industrie anzulegen. Da ist es doch leichter, die Bürger generell und die Kranken zu schröpfen.mehr... -
kulturabbau
Kulturabbau beginnt dort, wo Politik die Realität der Menschen ignoriert. Die sinkenden Besucherzahlen in den Zoos Mecklenburg‑Vorpommerns werden derzeit gern mit „veränderten Freizeitgewohnheiten“ oder „notwendigen Preisanpassungen“ erklärt. Doch diese Argumentation greift zu kurz. Die Wahrheit ist deutlich einfacher – und deutlich unbequemer: Die Menschen können sich Kultur und Freizeit schlicht nicht mehr leisten. Während die Lebenshaltungskosten erneut gestiegen sind, während Strom, Miete, Versicherungen und Lebensmittel immer größere Teile des Einkommens verschlingen, wird Kultur zum Luxusgut. Ein Zoobesuch für eine Familie kostet schnell 50 Euro und mehr. Wer jeden Monat rechnen muss, ob das Geld für das Nötigste reicht, der spart zuerst dort, wo es nicht existenziell ist: bei Kultur, Bildung und Freizeit. Statt diese Realität anzuerkennen, wird reflexartig der Rotstift angesetzt – ausgerechnet bei den Einrichtungen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Zoos, Museen, Theater und Bibliotheken werden kaputtgespart, während gleichzeitig Milliarden in Rüstungsprojekte fließen und Autowerke zu Rüstungsstandorten umgebaut werden. Für Panzer ist Geld da, für Kinder, Familien und Kultur offenbar nicht. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Warum kommen weniger Besucher?“ Sondern: „Warum können sich Bürger Kultur kaum noch leisten?“ Solange Politik diese Frage nicht stellt – und erst recht nicht beantwortet –, wird sich an der Entwicklung nichts ändern. Höhere Eintrittspreise sind nicht die Lösung, sondern ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Sie bestrafen jene, die ohnehin schon finanziell belastet sind, und beschleunigen den kulturellen Niedergang. Es ist höchste Zeit, dass Kultur wieder als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge verstanden wird – und nicht als verzichtbare Freizeitoption. Wer Kultur kaputtspart, spart an der Zukunft einer ganzen Gesellschaft.mehr... -
schlimm-2-0
Die einen finden es schlimm, dass Künstler sich artikulieren über "Jammerlappen und Jammerossis", die anderen finden diese Bewertungen zutreffend. Es ist zunächst mal völlig egal, wer welche Bewertung abgibt. Wir leben in einer freien Gesellschaft, wo jeder seine Meinung kundtun darf. Egal ob der- oder diejenige Künstler, Handwerker, Millionär oder Sozialhilfeempfänger ist. Ich muss aber auch die anderslautende Meinung ertragen können. Gerade bei Betrachtungen über Entwicklungen in den östlichen Bundesländern hilft meiner Meinung nach der ungetrübte Blick auf die letzten 37 Jahre. Ein Beispiel: "Es waren die (Wenigen (der Verfasser))) Menschen im Osten, die den Mut hatten, für ihre Freiheit auf die Straße zu gehen. Die Mutigen waren nämlich unter dem Strich nicht soviel DDR-Bürger. Bei den dann anschließenden freien Wahlen haben sich aber die große Mehrheit der DDR-Bürger für das Gesellschaftssystem der Bundesrepublik, für die D-Mark entschieden. Und so mancher glaubte dabei, das normale Leben mit halber Arbeitsleistung bei vollem Lohn, nur jetzt mit D-Mark ginge so weiter. Privat ging schließlich vor Katastrophe. Soziale Verwerfungen auf der einen Seite im Ergebnis des Anschlusses der DDR an die BRD infolge des Wirken des Marktes, aber auch die politische Last der Gestaltung der Rahmenbedingungen durch die Parteien des Westens ist immer wieder ein beliebter Fingerzeig. Zur Ehrlichkeit gehört dann aber auch, dass sich nur ein verschwindend geringer Teil der östlichen Bevölkerung in Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen engagiert und aktiv gestaltet. Beim Fingerzeig auf andere sollten wir nicht vergessen, dass in dem Moment drei Finger auf uns selbst zeigen.mehr... -
kriminalitaet-gestern-und-heute
Das leidige Thema Kriminalität in der DDR scheint zumindest für die jüngere Generation ganz klar zu sein. Sie hört und liest in den Leitmedien schließlich oft, wie schlimm die Zustände auf allen Ebenen gewesen sein sollen. Ob es in der DDR tatsächlich kaum Kriminalität gab, lässt sich keineswegs pauschal beantworten. Fakt ist jedoch, dass ich – wie auch die überwiegende Mehrheit der Menschen in der DDR – mich in den Straßen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich sicherer vor Überfällen, Raub und Übergriffen gefühlt habe als heute. Die Aussage von Herrn Hoffmann, dass geringere Diebstahlszahlen in der DDR lediglich auf das knappere Warenangebot zurückzuführen seien, sorgt eher für ein verständnisloses Schmunzeln. Schließlich kann eine Warenknappheit ebenso Begehrlichkeiten wecken wie ein Überangebot an unbezahlbaren Konsumgütern. Wenn heute nachweislich mehr als eine Million junge Menschen in der Bundesrepublik weder eine Ausbildung absolvieren noch einer Arbeit nachgehen, stellt sich die Frage, wie sie ihre stetig wachsenden und durch öffentliche Anreize geschürten Bedürfnisse decken. Ob eine solche Situation zu mehr Sicherheit oder weniger Kriminalität führt, darf stark bezweifelt werden.mehr...
